Tagebucheinträge vom September 2005
Übersicht:
26.09.05: Wandern auf der Bruce Peninsula
18.09.05: Uni, Wahl und Niagara Falls
10.09.05: die erste Woche in Waterloo
07.09.05: Roadtrip durch Kanada: zweiter Teil
04.09.05: Roadtrip durch Kanada: erster Teil
26.09.05: Wandern auf der Bruce Peninsula
Hallo!
Da ich mich gerade vorm Zettelrechnen drücken möchte, nutze ich die Zeit und fülle mal wieder mein Tagebuch. Letztes Wochenende war ich zusammen mit ein paar Leuten vom Outers Club der Uni Waterloo auf dem Bruce Trail wandern. Der Bruce Trail führt über fast 800km von Niagara Falls bis nach Tobermory auf der Bruce Peninsula. Da 800km in zwei Tagen doch etwas zu viel gewesen wären, haben wir uns auf die 40km am nördlichen Ende beschränkt. Sie führen direkt durch den Bruce Peninsula National Park, der unberührte Natur und traumhafte Ausblicke verspricht.
Am Freitag Abend sind wir also zu Zwölft in zwei Mietwagen und einem privaten Auto Richtung Nordwesten gefahren, bis wir nach etwa 3h Fahrt am Anfang des Trails angekommen waren. Die Autofahrt hätte auch etwas kürzer dauern können, aber wir haben uns einmal ziemlich böse verfahren und sind dabei sogar fast im See gelandet. Jedenfalls hat die Straße direkt auf den Strand geführt, auf dem wir gerade noch rechtzeitig anhalten konnten. Nachdem wir dann einige Zeit auf kleinen Straßen durch die nebelige Nacht durch eine fast vollkommen verlassene Gegend geirrt sind, haben wir gegen 23 Uhr doch noch unser Ziel erreicht.
Zum Glück war eine Gruppe vor uns angekommen (die dritte hatte sich noch schlimmer verfahren) und hatte schon ein Feuer gemacht. Die Nacht war nämlich bitterkalt (ich schätze mal 5°C) und ich habe sehr bereut, dass ich keine Isomatte und nur einen billigen Sommerschlafsack dabei hatte. So lag ich dann mit aller Kleidung die ich hatte im Schlafsack und konnte trotzdem vor Kälte kaum schlafen.
Der Samstag begann zum Glück sonnig und entsprechend hob sich die Stimmung sofort. Nach einem kurzen Frühstück teilten wir uns in zwei Gruppen auf, die den Trail in entgegengesetzter Richtung durchlaufen sollten. So konnte an jedem Ende des Trails ein Auto stehen und da wir uns am Ende des ersten Tages in der Mitte des Weges treffen würden, konnten wir so die Autoschlüssel austauschen.
Gegen 10 Uhr ging es dann endlich los. Zunächst wanderten wir auf breiten, bequemen Waldwegen durch den Nationalpark vorbei an Seen und einem Biberdamm in Richtung Küste zur Georgian Bay. Je näher wir der Küste kamen, desto schmaler, hügeliger und felsiger wurde der Weg und so langsam bekamen wir das Gefühl, mitten durch die Wildnis zu laufen. Gegen Mittag wurden wir mit einem eindrucksvollen Ausblick belohnt: Wir standen auf einer Klippe, etwa 30m unter uns klares, türkisblaues Wasser der Georgian Bay, Wasser soweit das Auge reicht und entlang der Küste dichtbewaldete Klippen. Dazu kam noch strahlender Sonnenschein und blauer Himmel ohne ein einziges Wölkchen. Schaut euch dazu am Besten die Bilder an, solche Eindrücke kann man schlecht in Worte fassen.
Der Weg führte nun ständig an der Küste entlang. Die meiste Zeit liefen wir oben auf den Klippen und nutzten jeden Aussichtspunkt für eine kleine Pause zum Staunen. Da es mittlerweile schon kurz vor 13 Uhr war, machten wir nun eine längere Mittagspause, um ein paar Pitas mit Käse, Wurst, Gurken und Karotten zu essen.
Im Laufe des Nachmittages führte der Pfad uns mehrmals direkt an das Ufer und da die Sonne so warm schien, beschlossen wir, an einem steinigen Strand schwimmen zu gehen. Das Vergnügen dauerte jedoch nur sehr kurz, da das Wasser so kalt war, dass man es kaum länger als 5 Minuten darin aushalten konnte. So nahmen wir dann erfrischt die letzten paar Kilometer des Tages in Angriff und erreichten gegen 17 Uhr Storm Haven, wo wir die Nacht verbringen wollten.
Storm Haven besteht im Prinzip aus einer Komposttoilette und acht verteilten Holzplattformen, auf denen man ein Zelt aufbauen kann. Außerdem gibt es noch einige Vorrichtungen, mit deren Hilfe man sein Essen vor Bären in Sicherheit bringen kann. Schon nach kurzer Zeit kam auch die andere Gruppe an und da Storm Haven direkt am Strand liegt, verbrachten wir den Abend am Strand, bis wir uns gegen 22 Uhr müde ins Zelt verkrochen.
Diese Nacht war zum Glück deutlich milder und daher konnten wir gut erholt die zweite Etappe antreten. Der Weg war wieder ziemlich beschwerlich: Ständig ging es auf und ab und auf groben Steinen über einige steile Stellen hinweg. Hinzu kam noch, dass es im Laufe des Vormittags leicht tröpfelte und die Steine entsprechend rutschig waren. Der Weg führte weiterhin direkt an der Küste entlang, so dass wir die ganze Zeit die tolle Landschaft bewundern konnten.
Schließlich erreichten wir gegen 17:30 Uhr endlich das Auto in Tobermory. Kaum waren wir dort angekommen, entlud sich das Gewitter, dass sich schon angebahnt hatte: überall blitzte und donnerte es und es begann in Strömen zu regnen. Das konnte uns jedoch nicht davon abhalten, die Erfrischung, auf die wir aus Zeitgründen während des Wanderns verzichtet hatten, nachzuholen. Also zogen wir uns im Regen die Badesachen an, rannten halbnackt durch Tobermory und sprangen im Yachthafen des 1200-Einwohner-Örtchens ins Wasser. Obwohl wir schon klatschnass waren, bevor wir den Hafen erreicht hatten, tat der Sprung ins kühle Wasser sehr gut. Zum Glück hat die Post von Tobermory ein kleines Vordach, unter dem wir uns anschließend abtrocknen und umziehen konnten; schließlich regnete es ja noch immer in Strömen.
Müde und zufrieden machten wir uns schließlich auf die Heimfahrt und kamen gegen 22 Uhr in Waterloo an. Es war wirklich ein traumhaftes Wochenende, an dem wir viel erlebt haben. Vor allem die Landschaft der Bruce Peninsula hat mich sehr beeindruckt; sie ist wohl eines der schönsten Fleckchen Erde, die ich bisher gesehen habe.
So, dass war's für heute. Ich hoffe, ihr genießt die Zeit, wo auch immer auf der Welt ihr gerade seit.
Bis bald,
Eike
18.09.05: Uni, Wahl und Niagara Falls
Hallo!
Die erste Uniwoche ist nun schon vorbei und wie es sein sollte, fängt der Stress zum Glück langsam an. Wie auch in Deutschland wurden in den ersten Stunden hauptsächlich allgemeine Einführungen gegeben und der organisatorische Ablauf der Kurse geklärt. Jedoch haben wir gegen Ende der Woche schon die ersten assignments bekommen, die wohl ziemlich zeitintensiv sein werden. Momentan bin ich in folgenden Kursen: Numerical Computation, Statistical Physics, Quantum Information Processing und Quantum Mechanics. Ich bin noch nicht sicher, ob ich Quantum Mechanics auch weiterführen werde, da drei Kurse wohl auch schon genug Arbeit sind und ich ja schließlich auch etwas vom Land sehen möchte. Zu den Kursen und zum Unileben allgemein möchte ich jetzt aber noch nicht viel schreiben, sondern warte damit lieber noch, bis ich mir auch wirklich ein Urteil bilden konnte.
Heute haben etwa 180 international students an einem Trip zu den Niagara Fällen teilgenommen. Früh morgens mussten wir uns (nach einer viel zu kurzen Nacht) aus dem Bett quälen, um gegen 9 Uhr in Waterloo abzufahren. Unser erstes Ziel war eine winery bei Niagara on the Lake. Dort haben wir an einer Führung durch die Keltereianlagen teilgenommen und allerlei zu den verschiedenen Herstellungsschritten bei der Weinproduktion erfahren. Zum Abschluss fand natürlich die obligatorische Weinprobe statt.
Anschließend haben wir eine kurze Mittagspause in Niagara on the Lake gemacht um etwas zu essen. Danach kam dann endlich der Höhepunkt des Tages: die Niagarafälle. Bei strahlendem Sonnenschein sind wir mit der berühmten Maid of the Mist nahe an die Horseshoe Falls (die kanadische, viel beeindruckendere Seite der Niagarafälle) herangefahren und sind in der Gischt klatschnass geworden. Generell scheint es in einem Umkreis von mehreren hundert Metern um die Fälle ständig zu nieseln, auch wenn am Himmel keine Wolken zu sehen sind. Schließlich sind wir noch durch ein kleines Tunnelsystem hinter die Niagarafälle gegangen und konnten so die Wasserwand von hinten betrachten und uns auf einer Plattform direkt am Wasserfall noch einmal nassspritzen lassen. Gegen 10pm waren wir nach einem langen Tag wieder in Waterloo, wo ich jetzt diesen Tagebucheintrag schreibe.
Zum Glück hatten einige bei dem Trip ein Handy dabei, so dass wir per SMS die Wahlergebnisse aus Deutschland verfolgen konnten. Das Wahlergebniss war ja sehr überraschend und so hatten wir Deutschen untereinander genügend Gesprächstoff. Auch die Fernsehauftritte der jeweiligen Parteichefs sollen ja sehr interessant gewesen. Schade, dass ich die Sendungen nicht live verfolgen konnte und mich nur aus dem Internet informieren kann. Jedenfalls bin ich jetzt sehr gespannt, in welche Richtung sich die Koalitionsgespräche entwicklen werden.
So, das muss für heute reichen, ich gehe jetzt ins Bett. Bis demnächst,
Eike
PS: Habt ihr eigentlich schon die Bilder vom Roadtrip gesehen, die ich jetzt endlich ins Netz gestellt habe?
10.09.05: die erste Woche in Waterloo
Hi there!
Die ereignisreiche Reisezeit ist nun vorerst vorbei. Seit Samstag letzter Woche (03.09.) bin ich nun in Waterloo in meiner residence. Ich wohne in der Columbia Lake Village (CLV), die direkt am Nordwestrand des Campus liegt. Zu den Hörsaalgebäuden braucht man zu Fuß etwa 20min und mit dem Fahrrad entsprechend weniger.
Leider habe ich jedoch immer noch kein Fahrrad. Gebrauchtfahrräder sind gerade am Anfang des terms Mangelware und die billigen Fahrräder bei canadiantire (ich glaube, ich habe schon mal erwähnt, dass das sozusagen ein kanadischer WalMart ist) für $100 sind alle ausverkauft. Ich habe mir jedoch eines reservieren lassen und in den nächsten Tagen sollte ich dann endlich wieder auf Rädern unterwegs sein können. Es wird zwar nur ein sehr billiger und entsprechend schlechter Drahtesel sein, aber für 8 Monate möchte ich nicht so viel Geld ausgeben. Mann, ich vermisse jetzt schon meine Fahrräder in Deutschland ;-)
Nun aber wieder zurück zum CLV. Wir leben hier in kleinen Reihenhaussegmenten; je vier Leute pro Segment. Jede Wohnung hat im Erdgeschoss eine Küche, eine Essecke und ein großes Wohnzimmer und darüber ein Bad und vier Zimmer mit Schreibtisch, Bett und Schrank. Die Zimmer sind gut 10m^2 groß, also groß genug um darin zu schlafen und zu arbeiten. Für alles andere gibt es ja noch das Ergeschoss.
Bisher habe ich erst einen meiner Mitbewohner gut kennen gelernt. Der zweite ist "Froshleader", organisiert also die Orientierungswoche für die Freshmen (first-year-students) mit und war daher die ganze Woche nicht zusehen. Der letzte ist erst gestern eingezogen und ich habe nur gestern Abend kurz mit ihm gequatscht. Meine Mitbewohner werde ich euch also erst demnächst näher vorstellen, wenn ich sie besser kennengelernt habe. Insgesamt habe ich jedoch den Eindruck, dass ich sehr gut mit ihnen auskommen werde.
Die Lage der CLV erzwingt quasi den Kauf eines Fahrrades. Da die Innenstadt von Waterloo direkt am anderen Ende des Campus liegt, kann man zu Fuß gerne mal eine Stunde laufen, um zu den Pubs zu kommen. Bisher musste ich mir also Fahrräder leihen, wenn ich abends weg wollte, was aber immer geklappt hat. Zum Glück liegt ein Supermarkt jedoch nur 5 Fußminuten entfernt. Er ist sogar 24/7 geöffnet, so dass man an jedem Tag und zu jeder Tageszeit einkaufen kann.
In ein paar Minuten werden wir (einige exchange students aus dem CLV) gemeinsam Lasagne kochen und anschließend in die Stadt gehen. Ich habe also nicht soviel Zeit und bevor ich ein großes Thema anfange und nicht beenden kann, schreibe ich einfach von meinen Aktivitäten während der letzten Woche.
Zunächst musste natürlich etwas Papierkram erledigt werden: die Formulare für das Wohnheim, für die Krankenversicherung über die Uni, das Abholen des Studentenausweises, die Kurswahl für den kommenden term, etc. Das ist für euch vermutlich nicht wirklich interessant, denn Bürokratie läuft wahrscheinlich überall gleich ab. Jedoch habe ich den Eindruck, dass in Kanada etwas flexibler vorgegangen wird und nicht wie in Deutschland jede Vorschrift genau so erfüllt werden muss, wie sie auf dem Papier steht. Dennoch ist der Papierkram einfach lästig.
Dann waren noch ganz praktische Sachen zu erledigen. Die vom Reisen schmutzige Wäsche wollte gewaschen werden und zum Glück gibt es auch direkt im Community Center im CLV Waschmaschinen und Trocker, die jedoch die Wäsche nicht wirklich trocknen sondern nur etwas weniger nass machen. Wenn ich schon beim Community Center bin: Es steht in der Mitte von CLV und dort ist die Rezeption wo man Filme, Fußbälle, etc ausleihen kann. Außerdem ist dort noch ein großer Fernseher für Videoabende, ein Billardtisch, eine Tischtennisplatte, ein Tischkicker, einige Computer und ein Aufenthaltsraum. Man dort also durchaus etwas Zeit verbringen.
Natürlich mussten auch die ersten Einkäufe erledigt werden, aber zum Glück haben wir ja Sobey's, den oben schon erwähnten Supermarkt ganz in der Nähe und er ist auch so groß, dass man dort alles bekommt.
Neben diesen notwendigen Tätigkeiten haben wir den größten Teil der Zeit mit den schönen Dingen des Lebens verbracht: Fussball spielen mit Spielern aus fast 10 verschiedenen Nationen, Videoabende, Barbeques, Spieleabende, Pubs und Clubs, spazieren durch Parks, in der Sonne liegen und lesen oder auf einen großen Markt gehen, auf dem unter anderem die Mennoniten aus der Region in altertümlichen Trachten ihr landwirtschaftlichen Erzeugnisse verkaufen.
So, das war's für heute, ich wurde gerade auf ein Bier vor dem Abendessen eingeladen und muss meinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen ;-) . Bis demnächst,
Eike
07.09.05: Roadtrip durch Kanada: zweiter Teil
Hallo wieder einmal!
Heute möchte ich versuchen, den Roadtrip abzuhaken, damit ich mit meinem Tagebuch nicht mehr zu sehr hinterherhinke und von Sachen berichten muss, die schon Wochen her sind. Ich schreibe also da weiter, wo ich das letzte Mal aufgehört habe.
Wir waren also gerade im Awenda Provincial Park und haben uns endlich auf den Weg in den Algonquin Provincial Park gemacht. Und so fuhren wir auf größtenteils kerzengeraden, breiten Straßen durch die Landschaft. Da es auf den kanadischen Highways ein Tempolimit gibt (80km/h auf den kleineren, 100km/h auf den großen) und die allermeisten sich auch daran halten geht es auf den Straßen deutlich weniger hektisch zu als in Europa. Ein weiterer Unterschied zu Europa ist, dass sich gerade in den entlegeneren Gebieten die meisten Geschäfte an den Highways konzentrieren und die Dörfer an den Straßen entlang wachsen. So sieht man während der Fahrt ständig beleuchtete Werbeplakate am Straßenrand. Je mehr wir uns dem Algonquin Park näherten, desto dünner war jedoch das Land besiedelt. Am Ende waren Dörfer mit 1000 Einwohner schon groß und hatten alle Läden, die man zum Leben so braucht.
Merkwürdig erschienen uns außerdem die Benzinpreise: Zuvor hatten wir noch für etwa $1,00 pro Liter tanken können und nun fuhren wir an Tankstellen vorbei, an denen der Liter über $1,20 kostete! Wir vermuteten, das läge an der Abgeschiedenheit, aber wie sich später herausstellte, waren zu dieser Zeit die Benzinpreise in aller Welt gestiegen wegen der Unwetter in New Orleans. Wenn man von der Außenwelt abgeschnitten ist bekommt man sowas eben nicht mit...
Jetzt aber wieder zurück zu unserer Reise. Wir kamen also am Sonntag, den 28.08. im Algonquin Park an und konnten auch direkt auf einen Campingplatz fahren, den wir am Tag zuvor reserviert hatten. Da der Campingplatz wieder direkt an einem See lag, gingen wir wieder schwimmen und da der See diesmal etwas kleiner war, schafften wir es sogar bis ans andere Ufer. Anschließend bauten wir unser Zelt auf, packten einen gerade erstandenen Grill aus und zum Abendessen gab es ein Barbeque mit viel Fleisch, fast rohen Kartoffeln und Bier. Basti und Jojo kamen auf die dumme Idee, eine Dose Bier um die Wette zu exen. Der Verlierer müsste eine Ladung Steakgewürz durch die Nase schniefen. Basti gewann mit großem Vorsprung, aber später stellte sich heraus, dass er seine Bierdose vorher mit Wasser gefüllt hatte, was keiner bemerkt hatte. Also mussten beide schniefen...
Obwohl es in der Nacht wieder anfing zu regnen, konnten wir trocken im Zelt schlafen und am nächsten Tag wollten wir einen der größten und ältesten Parks Kanadas erkunden. Wir entschlossen uns, das zu tun, wofür der Algonquin Park berühmt ist: Kanu fahren. Also liehen wir uns zwei Bote und paddelten den ganzen Tag kilometerlang durch die entlegensten Buchten von Canoe Lake und sahen sogar eine Wasserschildkröte. Auf dem Rückweg hörten wir auf einmal deutsche Stimmen aus einem Kanu in der Nähe und es stellte sich heraus, dass es die Stimmen anderer OBW-students waren, die wir schon in Toronto getroffen hatten. Wie klein ist doch Kanada...
Nach einem kleinen Spaziergang durch die Wälder des Parks gab es auch an diesem Abend ein Barbeque und wir gingen früh ins Bett. Mitten in Nacht wurden wir dann jäh aus dem Schlaf gerissen: nein, es war kein Bär bei unserm Zelt, sondern nur ein ganz gewöhnliches Gewitter. Dafür war es aber direkt über uns, man musste sich fast bei jedem Donnerschlag die Ohren zuhalten und der Regen prasselte auf das Zelt ein. Aber auch diese Nacht überstanden wir fast völlig trocken.
Bevor wir am nächsten Tag weiter nach Ottawa fahren würden, wollten wir die Zeit im Park noch etwas nutzen. Tom und ich liehen uns Mountainbikes und konnten drei Stunden lang einen extra angelegten, traumhaften Trail genießen, während die anderen sich mit einem schattigen Plätzchen am Ufer eines Sees zufrieden gaben. Anschließend gingen wir gemeinsam über den beaver pont trail und sahen einige Biberburgen und -dämme, jedoch leider keine Biber.
Am späten Nachmittag fuhren wir schließlich nach Ottawa, in die Hauptstadt Kanadas, wo wir zunächst noch einen kurzen Spaziergang durch die Stadt machten. Vor dem Parliament trafen wir einen Mounty (einen Polizist der Royal Canadian Mounted Police RCMP) dessen Aufgabe wohl eher in der Unterhaltung der Touristen als im Bewachen des Gebäudes bestand. Jedenfalls machte er Bilder von uns, salutierte für Photos und wollte Jojo zum Spaß Handschellen anlegen. So kamen wir mit ihm ins Gespräch und er erzählte, wir er einmal Jacques Chirac die Hand schütteln durfte und erwähnte einen Freund von ihm der einmal Liftboy für Lady Diana spielen durfte und plötzlich kein Wort mehr herausbrachte, weil er so von ihrer Schönheit geblendet war. Er meinte noch, wir Deutschen hätten doch so viel Geschichte und er fände es schade, dass das Bild von den Deutschen doch so sehr von einem so kurzen Zeitraum aus der Mitte des letzten Jahrhunderts geprägt sei. Jedenfalls war es ein sehr interessanter und unterhaltsamer Abend und schließlich übernachteten wir in einem freundlichen Backpacker's Inn.
Am nächsten Morgen mussten wir enttäuscht feststellen, dass es wie aus Eimern regnete. Also beschlossen wir, ein paar Stunden in der National Art Gallery zu verbringen, wo man kanadische Kunst der letzten 400 Jahre bestaunen kann. Am frühen Nachmittag fuhren wir weiter nach Montreal.
Dort stellten wir erstaunt fest, dass sich Quebec in der Tat vom Rest Kanadas unterscheidet: der Verkehr ist fast so hektisch wie in Frankreich und alle Schilder, die bisher noch zweisprachig gehalten waren, waren nun einsprachig; Man konnte kaum ein englisches Wort geschrieben sehen. Aber zum Glück wachsen in Montreal dennoch fast alle Menschen bilingual auf und sprechen sowohl Englisch als auch Französisch fließend.
Da in Montreal gerade das internationale Filmfestival stattfand, gingen wir an diesem Abend noch durch den red light district (wo unser hostel lag) in Kino und schauten uns einen israelischen Kurzfilm und einen japanischen Streifen an.
Am nächsten Tag machten wir einen langen Spaziergang durch die Innenstadt von Montreal mit alten Gässchen, hohen Wolkenkratzern, einem Nachbau von Notre Dame und dem Hafen. Anschließend liefen wir durch die McGill Universitity auf den Mont Royal, den Haushügel von Montreal, um von dort den Blick über die Stadt zu genießen. Auf dem Rückweg gingen wir durch das junge Künsterviertel "plateau" mit unzähligen Kneipen und kleinen Geschäften.
An diesem letzten Abend der Tour wollten wir noch einmal eine Pubtour machen. Als uns jedoch auffiel, dass man in Quebec Alkohol auch in normalen Supermärkten kaufen kann, dachten wir uns, man dürfe doch sicherlich hier auch "in public" trinken, kauften uns um Geld zu sparen ein paar Bier und setzten uns damit in einen Park. Dort kamen wir mit einem Obdachlosen in Gespräch, der uns darauf hinwies, dass man auch in Quebec nicht in der Öffentlichkeit trinken darf. Plötzlich meinte er, wir sollten unsere Dosen in die Tüte stellen, Polizisten kämen. Wir dachten zuerst, er wolle uns nur ärgern, konnten dann aber noch rechtzeitig reagieren und die Polizisten, die hinter uns herangekommen waren liefen an uns vorbei. So konnten wir mit ein paar Cent für einen Obdachlosen $130 Strafe sparen. Nun zogen wir in einen Pub um und hatten einen denkwürdigen Abend, an dessen Ende Joachim und Bastian gemeinsam durch die Straßen tanzten...
Am nächsten Tag verbrachten wir zunächst ein paar Stunden in einer großen mall, schauten uns Geschäfte an und kauften etwas Kleidung. Anschließend liefen wir noch durch den Olympiapark, wo 1976 die olympischen Spiele stattgefunden hatten. Gegen 6pm machten wir uns schließlich auf die Rückfahrt nach Waterloo. Abwechselnd fuhren wir etwa 7 Stunden Auto und konnten zum Glück noch unser Gepäck aus dem student life center der UWaterloo abholen. Auch unseren Zimmerschlüssel bekamen wir noch und konnten am Samstag, den 3.9. endlich in unserem neuen Zuhause schlafen, nachdem wir zwei Wochen lang nur aus Taschen und Rucksäcken gelebt hatten.
Irgendwie habe ich wohl wieder zuviel geschrieben, ich hoffe ihr lest mein Tagebuch trotzdem. In Zukunft werden die Einträge kürzer werden aus dem einfachen Grund, dass ich viel weniger erlebe.
Bis zum nächsten Mal,
Eike
04.09.05: Roadtrip durch Kanada: erster Teil
Hallo ihr da draußen!
So langsam wird es Zeit, dass ich näher von unserem Roadtrip durch Kanada berichte. Wie schon erwähnt haben wir (Bastian, Tom, Joachim, Anastasia und ich) uns letzte Woche Samstag (27.08.2005) ein Auto gemietet um durch die Gegend zu reisen. Natürlich waren wir spät dran und haben uns erst samstags morgens um das Auto gekümmert. Nach einigen Telefonaten konnten wir dann noch ein intermediate-sized-car zu einem scheinbar vernünftigen Preis mieten. Also haben wir das Auto abgeholt und dann unser Gepäck im Student-Life-Center der Uni Waterloo verstaut. Lange haben wir überlegt, ob wir auch unsere Laptops dalassen sollten. Wir haben uns dafür entschieden und das war wohl auch richtig: sie wurden nicht geklaut und funktionieren noch.
Als nächstes mussten wir weitere Vorbereitungen treffen: wir hatten nun eine Auto, aber wo sollten wir schlafen und wovon sollten wir leben? Also sind wir erstmal in einen CanadianTire (so was wie WalMart nur eben kanadisch) gefahren und konnten ein 4-Mann-Zelt, 3 Schlafsäcke (2 hatten wir schon) und zwei Klappstühle (die waren im Bundle dabei) für $130 erstehen. Ana würde wohl im Auto schlafen müssen. Direkt gegenüber vom CanadianTire war ein großer Supermarkt, wo wir uns auch gleich mit Lebensmitteln eindeckten. Nun konnte es also mit vollbeladenem Auto endlich losgehen.
Pünktlich zur Abfahrt kam auch der Wetterumschwung. Die letzten Tage hatten wir immer stabiles, warmes, trockenes Sommerwetter, aber nun fing es an zu regnen. Und der Himmel sah nicht so aus, als sollte es nur ein kurzer Schauer werden.
Da die ganzen Vorbereitungen etwas länger als gehofft gedauert hatten, war uns schnell klar, dass wir es an diesem Tag nicht mehr bis in den Algonquin Provincial Park schaffen würden. Also beschlossen wir, nur bis in die Nähe von Midland an der Georgian Bay zu fahren und dort einen Campingplatz zu suchen. Am nächsten Tag könnten wir dort den Awenda Provincial Park besuchen, bevor wir weiterfahren würden.
Dort war ein Campingplatz schnell gefunden. Es war zwar ein family-only Platz, aber schließlich platzierte uns der Besitzer doch noch ganz am Rand des campgrounds, nachdem er den Preis noch etwas erhöht hatte, weil wir ja fünf Leute waren. Nach einer kurzen Wartezeit im Auto nahm der Regen langsam ab und wir konnten das Zelt aufbauen. Anschließend gingen Jojo und ich in der Georgian Bay schwimmen und Bastian hat Brennholz für ein Lagerfeuer besorgt. Da es noch relativ warm war, hat das Schwimmen im Lake Huron richtig Spaß gemacht. Wir sind einfach auf das gegenüberliegende Ufer der Georgian Bay zugeschwommen und umgedreht, als es uns zu weit wurde. Währenddessen setzte der Regen wieder ein und wir konnten beim Schwimmen kaum noch etwas sehen, weil die prasselnden Regentropfen so sehr im See spritzten. Als wir am Ufer ankamen, war unsere Kleidung die dort lag natürlich völlig durchnässt und Bastians Holz würde auch nicht mehr brennen. Also zogen wir uns ins trockene Auto zurück und aßen ein paar Sandwiches, was zu fünft in einem kleinen Auto auch ziemlich eng sein kann.
Zum Glück hörte nach einiger Zeit der Regen wieder auf und schließlich konnten wir sogar ein paar Sterne funkeln sehen. Als Basti das nasse Brennholz sogar noch gegen trockenes umtauschen konnte und wir nach einer halben Stunde harter Arbeit ein Lagerfeuer entfacht hatten, hob sich die Stimmung wieder, wir konnten unsere nassen Sachen trocknen und der Tag konnte mit Marshmallows ausklingen.
Nach einer nicht ganz gemütlichen aber dafür relativ trockenen Nacht frühstückten wir am nächsten Morgen zunächst wieder ein paar Sandwiches, packten unsere Sachen und fuhren nach Midland um Geld zu holen und Lebensmittel einzukaufen. Nach einiger Zeit konnten wir sogar einen beer store entdecken und ein paar Vorräte für das nächste Lagerfeuer kaufen. In Kanada darf man ja alkoholische Getränke nur in Läden mit einer speziellen Lizenz kaufen; in normalen Supermärkten und Tankstellen bekommt man keine Alkoholika. Wenn man schließlich irgendwo Bier gefunden hat, dann darf man es aber nicht in der Öffentlichkeit trinken und wenn man Auto fährt dürfen keine alkoholischen Getränke in der Fahrerzellen sein sondern man muss sie im Kofferraum transportieren. An diese Regeln muss man sich ersteinmal gewöhnen...
Von Midland fuhren wir in den Awenda Provincial Park. Er liegt direkt am See und auch dort konnten wir wieder schwimmen gehen und auf Felsen im Wasser klettern. Schließlich unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch die naturbelassenen Wälder und fuhren dann direkt weiter in den Algonquin Provincial Park.
Was wir dort erlebt haben schreibe ich am besten erst beim nächsten Mal. Es ist gerade 1:50am und so langsam sollte ich mal ins Bett. Ich habe wohl viel zu viel geschrieben, aber ihr müsst es ja nicht alles lesen ;-)
Bis demnächst,
Eike
zuletzt geändert am 26.09.2005 von Eike Nicklas

