Tagebucheinträge vom März 2005
Übersicht:
31.03.06: Semesterende
14.03.06: Frühlingsbesuch
11.03.06: Tanzkultur
09.03.06: nordamerikanische Kneipen
03.03.06: verzweifelter Friseur
31.03.06: Semesterende
Heute war der letzte Vorlesungstag. Dies habe ich auch erst im Laufe des Tages erfahren, denn eigentlich hätten wir am Montag noch einmal eine Vorlesung haben sollen. Unser Relativitätstheorie(ART)-Prof sah das jedoch anders, meinte er sei durch mit dem Stoff und wir haben uns darüber natürlich auch nicht beschwert. Nach der Vorlesung habe ich dann noch meine Kurzbiographie von James Shaver Woodsworth für den Geschichtskurs eingereicht (Interessierte finden sie bei den downloads) und nun ist das Semester quasi vorbei. Nächste Woche fangen zwar schon die Finals an, aber dieses Wochenende werde ich mir erstmal frei nehmen. Insgesamt schreibe ich drei Finals: Geschichte am 6.4., ART am 7.4. und schließlich Particle Physics am 13.4.. Und am 15.4. reise ich dann ja schon aus Waterloo ab...
Unser ART-Prof hat als Graduate Student übrigens mit Stephen Hawking zusammen gearbeitet. Es ist schon interessant ihn erzählen zu hören, wie er sich früher mit Stephen Hawking für einem Tee zusammengesetzt hat, um über die Relevanz von anisotropen Modellen des Universums zu diskutieren... Jedenfalls hat dieser Kurs richtig Spaß gemacht. Ich könnte mir gut vorstellen, ART als physikalisches Wahlfach zu nehmen und mich im Spätsommer darüber prüfen zu lassen. Aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit.
Letztes Wochenende hat der Organisator das Waterloo-Braunschweig Austausches übrigens ein Bankett für alle deutschen Austauschstudenten in Waterloo veranstaltet. Wir haben uns in einem deutschen Klub in Kitchener getroffen, kostenlose Schnitzel verdrückt und auf Kosten der deutschen Botschaft in Kanada Dosenbier getrunken. Der Konsul war nämlich auch da und brachte acht Paletten Bier mit sich, natürlich auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Er war jedoch der Meinung, es gäbe deutliche schlechte Anlageformen für Steuergelder... (Auf diesem Weg ein Dankeschön an alle von euch, die Steuern zahlen!) Wir haben uns jedenfalls darüber gefreut und die 200 Dosen haben für uns 40 Studenten mehr als gereicht, so dass auf dem Nachhauseweg unsere Jacken etwas ausgebeult und einige Kilo schwer waren...
Pünktlich zum Frühlingsanfang in Kanada habe ich mir natürlich eine Erkältung eingefangen. Vielleicht hätte ich doch auf das erste Kratzen im Hals hören und darauf Rücksicht nehmen sollen. Na ja, zum Glück ist es nur eine leichte Erkältung, die mich nicht groß behindert oder gar an Bett fesselt. So kann ich das warme Wetter wenigstens etwas genießen. Schließlich bin ich nur noch zwei Wochen hier in Waterloo. Einerseits ist es schade, dass die Zeit in Kanada nun schon bald vorbei ist, anderseits freue ich mich aber auch schon riesig wieder auf zu Hause! Erstaunlich, wie schnell die Zeit manchmal doch vergeht...
14.03.06: Frühlingsbesuch
Letztes Wochenende hat der Frühling uns einen kurzen Besuch abgestattet. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen bis 14°C konnte man schon fast im T-Shirt draußen rumlaufen. Die ersten warmen Sonnenstrahlen haben Lust auf mehr gemacht. So schön Schnee auch sein mag, nach diesem langen trüben Winter freue ich mich nun riesig auf die wärmere Jahreshälfte! Langsam werde ich auch wieder heiß auf Bewegung: Wie schön wäre es, doch mal wieder auf einem gescheiten Rad im Freien durch die Sonne zu rollen!
Aber damit muss ich mich wohl noch etwas gedulden. Nicht nur, weil ich hier in Kanada kein Rad habe, das der Bezeichnung "Sportgerät" gerecht würde, sondern auch, weil der Besuch des Frühlings eben nur ein kurzer war. Heute ist das Quecksilber schon wieder unter die 0°C Grenze gefallen, einige Schneeflocken tummeln sich in der Luft und der höllische kanadische Wind mit Böen bis zu 70km/h sorgt für gefühlte -11°C. In Kanada fängt der Frühling eben doch noch nicht im März an.
PS: Happy Pi-Day! (today is 3/14)
11.03.06: Tanzkultur
Gestern waren wir zum ersten Mal seit September wieder im Phil's, dem wohl einzigen Club in Waterloo, in dem kein Hip Hop, sondern rockigere Musik gespielt wird. Dort ist mir mal wieder aufgefallen, dass Kanadier sich in Clubs anders verhalten als wir Europäer, oder zumindest als ich es gewohnt bin (ich möchte ja nicht verallgemeinern).
Wenn man sich in Kanada auf der Tanzfläche befindet, dann gehört das Antanzen schon fast zum Pflichtprogramm. Es passiert viel häufiger als ich es gewohnt bin, dass Jungs und Mädels, die sich vorher nicht gekannt haben, sich mal schnell unverbindlich antanzen und schauen wie der andere reagiert. Die Folgen kann man gut über den Verlauf des Abends hinweg beobachten: Am Anfang sind noch viele reine Jungs- oder Mädchencluster anzutreffen, die sich im Laufe der Zeit langsam auflösen und in einen homogenen Mischmasch übergehen. Ich habe den Eindruck, dass bei diesem Antanzen die Rollenverteilung klarer vorgegen ist als in Deutschland:
- Männlein
- Von den Männern wird anscheinend erwartet, dass sie die Initiative ergreifen, zumindest was den ersten Körperkontakt betrifft. Und den gibt es in Kanada häufig schon vor dem ersten Augenkontakt! Also ziehen die Jungs über die Tanzfläche, tanzen Mädels (häufig von hinten) an und ziehen, falls sie erfolglos waren, direkt weiter zum nächsten Opfer.
- Weiblein
- Die Mädels wissen durchaus, wie Interessenten abzuwehren sind: Sind sie von dem Kerl nicht überzeugt, dann wird er direkt weggeschubst (begleitet von einem genervten Blick) oder weitergeleitet getreu dem Motto: Du wolltest doch nur vorbeilaufen, oder? Dabei können die Mädels schon fast gewaltätig werden. Mädchen sind auf ihrem Beutezug nicht so direkt wie die Jungs: Sie suchen Blickkontakt und bekunden so ihr Interesse. Ich habe jedoch den Eindruck, dass sie nun erwarten, dass der Mann den nächsten Schritt übernimmt, denn oft ziehen sie nach wenigen Minuten buhlen wieder ein paar Meter weiter und versuchen dort ihr Glück.
Zunächst habe ich gedacht es läge daran, dass die Zielgruppe etwas jünger ist, aber dann ist mir eingefallen, dass man in Kanada ja erst ab 19 Jahren in die Clubs überhaupt reinkommt. Und diese Regel wird auch forciert: Vor jeder Bar und jedem Club muss der Ausweis gezeigt werden. Also so jung kann das Publikum im Phil's auch nicht gewesen sein.
Na ja, das waren meine Beobachtungen, andere Leute nehmen die kanadische Tanzkultur vielleicht ganz anders wahr.
09.03.06: nordamerikanische Kneipen
So freundlich die Nordamerikaner normalerweise auch sind, wenn es um Profit geht ist mit ihnen nicht zu spaßen. Gestern waren wir mal wieder in unserem Mittwochabendstammpub, dem Molly Bloom's und haben bei Livemusik ein paar Bierchen getrunken. Nachdem wir in 2,5h über zu sechst über $80 dortgelassen hatten und zwei von uns noch halbvolle Gläser vor sich stehen hatten, kam plötzlich der Türsteher und meinte wir sollen doch etwas trinken oder rausgehen. Wir reagierten nicht und nach zwei Minuten forderte er uns wiederholt zum Aufbrechen auf.
Was soll denn das? In den letzten 10 Wochen waren wir bestimmt 8 Mal dort, das Molly's hat sicher nicht schlecht an uns verdient und nun dürfen wir noch nicht einmal gemütlich unser Bier austrinken und in Ruhe ein paar Minuten mit leeren Gläsern sitzenbleiben? Nur weil draußen ein paar durstigere Leute anstehen? Nachdem unsere französischen Mitstreiter kurz und zugegebenermaßen etwas direkt mit der Bedienung diskutiert hatten, meinte diese nur "Fuck off!" und das haben wir dann auch gemacht. Ins Molly's werde ich wohl nicht mehr gehen; schade eigentlich, denn bisher hat es mir ganz gut gefallen, aber wenn man so mit seinen Kunden umgeht...
In Europa ist mir so etwas noch nicht passiert, wobei es hier in Nordamerika schon üblich ist, dass man nach wenigen Minuten Konsumflaute demonstrativ die Rechnung präsentiert bekommt. Na ja, andere Länder, andere Sitten...
03.03.06: verzweifelter Friseur
Hallöchen,
man kann es sich kaum vorstellen, aber ich war heute beim Friseur! Nachdem ein neuer Haarschnitt schon seit Monaten längst überfällig war, ist nun die Haarpracht wieder unten; zumindest teilweise. Als ich dem Hairdresser erzählt habe, ich bräuchte einen Haarschnitt, hat er nur geantwortet: "Dude, you needed a haircut six months ago!". Na ja, er hat sich schließlich doch an das Gestrüpp getraut und es ist auch ganz gut geworden, finde ich zumindest...
Gestern habe ich übrigens mein letztes Midterm Exam geschrieben; wie in Kanada üblich zu einer unmöglichen Zeit: 7pm-10pm (also abends). Nun warten noch ein paar Aufgaben darauf, durchgerechnet zu werden und den "reading" Teil der Reading Week sollte ich auch noch nachholen. Aber ich will nicht jammern, schließlich habe ich hier ein richtig schönes lockeres Studentenleben! Am Wochenende werde ich außerdem die Bildergalerien vom New York Trip erstellen, um mal wieder etwas visuellen Input bereitzustellen.
Bis demnächst, genießt die Zeit,
Eike
zuletzt geändert am 31.03.2006 von Eike Nicklas

