©Eike Nicklas

Impressum

Flagge Kanada

Tagebucheinträge vom Januar 2005

31.01.06: Dogsledding

Hallole,

der Winterterm ist mittlerweile in vollem Gange: die ersten Assignments sind abgegeben und nächste Woche gibt es schon ein verfrühtes Midterm (zum Glück nur Geschichte, also nichts Wichtiges). Das hält uns aber nicht davon ab, auch ein bisschen Spaß zu haben:

Am letzten Freitag war ich mit einigen anderen Austauschstudenten in der Nähe des Algonquin Parks zum Dogsledding (Hundeschlittenfahren). Der Trip wurde vom International Office der Wilfried Laurier Uni organisiert, stand jedoch auch uns UW Studenten offen und nach langem hin-und-her ob sich $215 für einen Tag wirklich lohnen habe ich schließlich beschlossen, mir diese Tour zu gönnen; und ich bereue es nicht!

Algonquin Motel Schlittenhunde voller Tatendrang

Donnerstag Abend sind wir in einem engen unbequemen gelben Schulbus losgefahren und kamen kurz vor Mitternacht bei klirrender Kälte (-15°C) im schrillen Algonquin Motel an. Nach einer erholsamen Nacht fuhren wir gegen 8:30am zu Chocpaw Expeditions , wo wir zunächst eine kurze theoretische Einführung bekamen und danach endlich zu den Hunden durften. Auf dem Weg dorthin konnte man sie schon von Weitem hören: 320 alaskische Schlittenhunde, die bewegt werden wollen, können ganz schön Lärm machen!

Nicolas als Steuermann Eike als Steuermann

Nun konnten wir zeigen, ob wir bei der Einführung auch zugehört hatten: Erst mussten wir die Hunde aus ihren Wohntonnen holen, dann vor die Schlitten spannen und schon konnte es losgehen. Auf jedem Schlitten fuhren zwei Studenten, gezogen von sechs Hunden (ich fuhr zusammen mit Nicolas). Der Steuermann stand hinten auf dem Schlitten und war fürs Bremsen zuständig, während der Beifahrer es sich auf dem Schlitten bequem machen durfte. Aber schon nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass auch der Beifahrer kein faules Leben hat: Wenn die Hunde mal einen Befehl vom Steuermann nicht befolgen, muss er aus dem Schlitten springen, zu den Hunden rennen und persönlich dafür sorgen, dass die Hunde machen was von ihnen verlangt wird. Außerdem wurde das Terrain immer hügeliger und der Beifahrer musste öfter mal aussteigen und nebenherrennen um den Hunden die Arbeit etwas zu erleichtern. So bekamen nicht nur die Hunde ihre Bewegung, auch wir waren gefordert!

verschneite, sonnige Landschaft Fahrt im Hundeschlitten

Und so fuhren wir in zwei Gruppen mit je etwa sieben Schlitten durch die Gegend (kommentiertes Video (15MB)). Jede Gruppe wurde von zwei Führern begleitet, denen die Hunde (meistens) von alleine hinterherliefen. Da der Algonquin Park etwas nördlicher als Waterloo liegt, gab es dort genügend Schnee und bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 0°C herrschten perfekte Bedingungen.

Nicolas bei den Führungshunden

Nach etwa zwei Stunden war es Zeit für die Mittagspause mit ein paar Sandwiches. Dabei durften jedoch die Hunde nicht aus den Augen gelassen werden, da sie immer noch vor Energie strotzten und die (umgelegten) Schlitten durch die Gegend ziehen wollten. Die ganze Mittagspause wurde natürlich von ständig lautem Gebell begleitet, wie man auf diesem Video (1,4MB) sehen und hören kann.

Fahrt auf schmalem Pfad

Auf dem Rückweg wartete das Highlight des Tages auf uns: Wir fuhren ein kurzes Stück abseits der breiten Wege auf einem schmalen Pfad mitten durch den Wald: Beeindruckend, wie die Führungshunde schnell und sicher den Schlitten zwischen den Bäumen entlangzogen! (Video (4MB))

Eike auf dem Schlitten

Als wir uns schließlich wieder dem Camp näherten, wurden die Hunde merklich müder, so dass Nicolas und ich an den Hügeln den Schlitten quasi alleine schoben und die Hunde noch anfeuern mussten, damit wir sie nicht überholten. Am letzten kleinen Anstieg lieferten wir uns noch ein kleines Rennen mit einem Nachbarschlitten (das wir natürlich gewannen ;-) ) und so waren sowohl die Hunde als auch wir nach einem erlebnisreichen und anstrengenden Tag froh, als wir am späten Nachmittag wieder das Camp erreichten. Aber die Arbeit war noch nicht ganz vorbei: Die Hunde mussten noch abgespannt und wieder an ihren Platz gebracht werden.

im Spiegel des Schulbusses

Als wir gegen 5pm wieder Richtung Waterloo aufbrechen mussten, stand uns jedoch der qualvollste Teil des Tages noch bevor: Die Fahrt im Schulbus. Als wir schließlich Waterloo erreicht hatten, waren wir alle trotz der Rücken- und Ar***schmerzen glücklich und zufrieden nach einem tollen Tag. Ich bin wirklich froh, dass ich das Geld investiert habe, es hat sich gelohnt! Jetzt werde ich aber erstmal etwas kürzer treten müssen, da wir in der Reading Week Ende Februar sieben Tage in New York verbringen möchten. Das wird auch nicht ganz billig...

Viele Grüße aus Waterloo,

Eike

nach oben

17.01.06: warmer Winter, netter Besuch und neue Vorlesungen

Hallo Leute,

die letzten Tage waren ziemlich repräsentativ für den diesjährigen kanadischen Winter. Gestern hatten wir noch klirrende Kälte (-12°C) und seit heute morgen steht das Quecksilber plötzlich wieder im Positiven. Dazu kommt noch Regen, der auf dem gefrorenen Boden sofort gefriert und so nur eine einzige Glatteisschicht übrigbleibt. Ich habe natürlich mit nichts Schlimmem gerechnet, bin mit dem Fahrrad einkaufen gefahren und auf dem Rückweg hat es mich in einer Kurve voll hingehauen. Aber passiert ist zum Glück nichts, nur ein Apfel ist in tausend Stücke zerbrochen. Trotzdem war ich mit dem Fahrrad sicherer und schneller unterwegs als die ganzen Fussgänger. Ich weiß gar nicht mehr wie viele Leute ich heute schon auf dem Boden habe liegen sehen.

Seit Weihnachten ist der Winter hier ziemlich chaotisch: Von einem Tag auf den nächsten kann sich die Temperatur um 20° ändern, es ist sehr warm (teilweise bis +8°C) und regnet ständig. Zum Glück hatten wir Anfang Dezember dafür den perfekten Winter: drei Wochen lang nicht über 0°C, viel Schnee und wenn es mal nicht geschneit hat, dann schien die Sonne. Ich hoffe, der Winter kommt noch einmal zurück, schließlich bin ich hier in Kanada!

Konny und Eike vor Niagarafällen

Über die Feiertage hat Konny mich besucht und ich habe mich riesig über das Wiedersehen gefreut. Wir sind nicht viel rumgereist, sondern haben uns ein paar ruhige Tage in Waterloo gemacht, lange gefrühstückt und die Zeit genossen. Ein paar Tagestouren mussten aber dann doch sein: Niagarafälle im Schnee, Toronto, shoppen in einer Outletmall in den US, Fahrradtour nach St.Jacobs und natürlich haben wir uns auch Waterloo angeschaut. Weihnachten haben wir mit Basti gefeiert und ordentlich Fleischfondue gegessen. Sylvester verbrachten wir ganz schmucklos ohne Feuerwerk aber dafür mit Schneeballschlacht mit Freunden im CLV. Am zweiten Januar hat dann auch schon das nächste Semester, der winter term, angefangen und der Ernst des Lebens ging wieder los. Konny musste am 5. Januar leider wieder abreisen und seitdem ist mein kleines Zimmer plötzlich so leer. Aber in ein paar Monaten fliege ja auch ich wieder über den großen Teich...

Die Vorlesungen dieses Semester sind bisher fast alle super interessant und die Profs richtig gut. Nur der Particle Physics Prof ist etwas hektisch und schafft es nicht, den eigentlich interessanten Stoff gut rüberzubringen. Die Introduction to General Relativity wird von einem (angewandten) Mathematiker gehalten, der mich sehr an einen englischen Gentleman erinnert und eine sehr strukturierte, ruhige Vorlesung hält. Unser Quantum Field Theory for Cosmology Prof ist einer der wenigen in Waterloo, die "Schrödingergleichung" richtig aussprechen können, was vielleicht daran liegt, dass er in Walldorf aufgewachsen ist und in Heidelberg studiert hat. Das Wichtigste ist jedoch, dass der den (nicht ganz einfachen) Stoff gut und begeistert rüberbringen kann. Letztendlich höre ich noch Canadian History through Biography, schließlich möchte ich auch etwas über das Land erfahren in dem zwei Semester verbringe. Dass Geschichte nicht grau und trocken sein muss, beweist unser Prof eindrucksvoll: Er ist erst 29 (glaube ich), kann super reden, zieht ständig Vergleiche zum aktuellen Wahlkampf und wählt die Themen so aus, dass auch bei 1:50h Vorlesung am Stück die Langeweile keine Chance hat. Das Experiment, mal was anderes zu hören, hat sich also bisher gelohnt!

Jetzt habe ich aber schon wieder mehr geschrieben, als ihr lesen wollt. Viele Grüße und einen schneereichen Winter,

Eike

nach oben


Valid CSS! Valid XHTML 1.0!

zuletzt geändert am 31.01.2006 von Eike Nicklas